Studentisches Leben: 6 Jahre ohne Rückkehr, warum nicht?

X         : Nina, machst du dieses Jahr Urlaub in Indonesien?

Ich       : Nein, dieses Jahr geht es nicht.

X         : Äh, warum denn? Was machst du?

Ich       : Ich muss arbeiten und ich habe auch noch zwei Blockveranstaltungen.

X         : Ah schade, und wann warst du das letzte Mal in Indonesien?

Ich       : Hmm ich überlege mal. „….“ eigentlich bin ich seit sechs Jahren nicht mehr dorthin geflogen , hehehe

X         : WAS?!! WARUM DAS DENN?!! Vermisst du deine Familie?

Ich       : Doch schon, aber …..:))

Das ist ein typisches Gespräch für mich, welches oft vorkommt, vor allem wenn Semesterferien im Anmarsch sind. Ich bin Studentin an der THM in Gießen und studiere dort Betriebswirtschaftim Bachelor. Aber nun mal genauer zu mir.

Was mache ich genau in Gießen?

Ich studiere und habe zwei Nebenjobs. Vielereagieren normalerweise mit Entsetzenauf diese Aussage: „Was?! Du arbeitest in zwei verschiedenen Unternehmen? Wie kannst du das machen?“. Das ist eigentlich ganz simpel, denn ich habe einfach immer mein Handy dabei und wenn eine Nachricht in WhatsApp hereinkommt, heißt das für mich „Calling for Job“. Die beiden Jobs habe ich durch die Arbeitsagentur erhalten. Ich wurde von den jeweiligen Ansprechpartnern kontaktiert und über die Jobs informiert.

Ich bin jetzt schon in einem höheren Semester und hoffe, dass ich mein Studium bald abschließen werde. In dem Beitrag möchte ich euch mitteilen, warum ich in Deutschland bleiben kann, ohne in meine Heimat Indonesien zurückzukehren, und wie ich bisherige Krisen in meinem Leben überwunden habe.

Als Ausländer ist es anfangs nicht einfach in einer fremden Umgebung zu wohnen, sich an neue Kulturen anzupassen, neue Leute kennenzulernen und sich an das Essen zu gewöhnen. Besonders wenn es sich bei dem Aufenthalt nicht um einen Urlaub, sondern ein Studium oder eine Arbeitsstelle handelt. Das Studium und die damit verbundene Verantwortung bedeutet mir viel.

Aber warum ist das so? Warum ist das so schwierig?  Das liegt in erster Linie an den verschiedenen Kulturen und Erfahrungen. Mein Heimatland hat im Vergleich zu Deutschland eine um 180 Grad gedrehte Kultur.

„Culture Shock“ – Wie kommt er zustande?

Meiner Meinung nach kann ein Culture Shock deshalb passieren, weil wir nicht bereit sind uns an die neue Umgebung oder eine unbekannte Situationen anzupassen. Im Laufe der Zeit und mit zunehmendem Verständnis können wir diese Herausforderung jedoch überwinden.

Eine sehr wichtige Grundkenntnis, die ich besonders in der interkulturellen Kompetenz erlernt habe, ist, dass wir kein vorschnelles Urteil (Judging)fällen sollten, wenn wir mit der neuen Umgebung oder neuen Leuten konfrontiert werden. Wir sollten uns darüber bewusst sein, dass jede Person aus einer anderen Kultur kommt und anders erzogen wurde. Falls wir nicht direkt verstehen, warum jemand so handelt, wie er es tut, dürfen wir ihn nicht direkt verurteilen. Mit etwas Zeit akzeptieren wir andere Verhaltensweisen und versuchen alles aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es ist wirklich nicht einfach, aber wie man oft sagt: „Practice makes perfect“. Das heißt, wir können irgendwann alle Probleme überwinden und Herausforderungen meistern, egal wo wir sind.

Warum ist es wichtig?

Wenn wir uns um irgendwelche, bestimmte Dinge kümmern und für eine unbestimmte Zeit in der fremden Umgebung leben, dann haben wir keine Wahl, der einzige Weg, den wir wählen ist der es zu tun und sich versuchen anzupassen. Die meisten Leute schaffen es nicht solche Situationen zu meistern, weil sie von Anfang an schon ein Urteil fällen oder zu hohe Erwartungen haben. Deshalb finde ich persönlich, das vorschnelle Urteilen(Judging)am Anfang des Anpassungsprozesses unnötig ist. Später, wenn wir mehr Verständnis aufgebaut haben, können wir besser mit solchen Situationen umgehen. Es ist aber ein Prozess, und jeder Prozess braucht Zeit. Das bedeutet, beeil dich nicht mit der Anpassung, sondern nimm dir so viel Zeit wie du brauchst.

Wie halte ich es aus, meine Familie so lange nicht zu sehen?

In dem Zeitalter der Digitaliserung lernen sogar unsere Omas und Opas noch, wie man WhatsApp, Facebook, Skype oder Instagram nutzt, damit sie mit ihrer Familie, die weit weg von ihnen wohnt, kommunizieren können. Ich schreibe meiner Mutter jeden Tag über WhatsApp. Ich nehme mir jeden Tag die Zeit, um ein kurzes Gespräch mit ihr zu führen, auch wenn es nur ein kurzer Satz ist wie „Good night“ oder „Have a nice day“. Unsere Verpflichtung gegenüber unseren Eltern, die uns viel beigebracht und uns aufgezogen haben, sich bei ihnen zu melden, damit wir unsere Elternnicht unnötig beunruhigen. Mein Tipp ist: Ständiger Kontakt, egal wie lang oder kurz dieser ist. Es kann zusätzliches Vertrauen zwischen Kindern und Eltern aufgebaut werden und auch sogar die Motivation zu kämpfen stärken.    

Was ich auch wichtig finde ist, zu versuchen immer positiv zu bleiben. Natürlich können wir nicht beeinflussen, wie andere handeln, dafür aber wie wir selbst in unserem Umfeld handeln. Daher ist eine guter Freundeskreis nötig und wichtig, denn unser Verhalten wird nicht nur durch unsere Familie, sondern auch durch Freunde, beeinflusst. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es am besten mit postiven Gedanken und einem positiven Umfeld funktioniert.

Daher sollte man auch niemals alleine zu Hause bleiben, wenn man sich schlecht fühlt oder reden möchte. Eher sollte man versuchen, sich mit Freunden, denen man vertraut, zu treffen.

Da ich Muslimin bin, habe ich mich am Anfang direkt nach leckeren Restaurants umgesehen. Zum Beispiel kann man einen Halal Burger bei „Red Chilli“ essen, wo man immer ein leckeres Menü zu einem guten Preis bekommt. Oder aber auch das „Red Flame“, das sich genau daneben befindet. Dort werden pakistanische und indische Gerichte verkauft. Genauso hat Wonder Waffel sehr erschwingliche Preise und auch die Eisdiele Heißzeit ist ein Favorit von Gießener Studenten. Heißzeit ist bekannt für selbst hergestellte Eiscreme mit speziellem Geschmack und ohne tierische Inhaltsstoffe.

Giessen Technische Hochschule

Als letztes möchte ich noch sagen, dass, egal wie schwierig unser Leben zusein scheint, man den Fokus auf das legen muss, was wichtig ist, nämlich, dass wir niemals aufgeben und immer unsere Ziele vor Augen führen. Immer positiv denken und daran glauben, dass die Zeit eines Tages kommt, an dem wir unser Ziel erreichen.

Familie und Liebe sind für mich persönlich wichtiger als alles andere. Daher stärken solche Gedanken mich und helfen mir hier zu bleiben und mein Studium zu beenden. Zusätzlich hilft es auch Sport zu machen, denn Sport hilft sich gut und gesund zu fühlen und vertreibt den Kummer. Die THM bietet zum Beispiel viele Sportkurse an. Außerdem gibt es in Gießen auch einen großen Park am Schwanenteich, in dem wir Sport treiben, spazieren gehen oder einfach in der Natur sitzen können.

Abbildung 2:“Schwanenteich” credit to Andreas Seim

Siti Castorina Suryaningrum